Solar Glass Trading
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Wir suchen Nischen rund um das Thema Energie

Andreas Kriegler ist seit Oktober 2011 Geschäftsführer beim Maschinenbauer Robert Bürkle aus Freudenstadt. Der 44-jährige Ingenieur leitet die Business Unit Photovoltaik, gilt als erfahrener Branchenkenner und war lange Jahre in den USA tätig.

Herr Kriegler, ist Bürkle vom Absatzeinbruch im Solargeschäft betroffen?
ANDREAS KRIEGLER: Auch an uns geht der Einbruch in der Photovoltaik-Industrie nicht spurlos vorbei. Die Diversifizierung von Bürkle hilft uns aber diesen teilweise abzufedern. Für 2012 haben wir jedoch unsere Erwartungen an den PV-Markt auf die Hälfte im Vergleich zur Vorjahresplanung zurückgeschraubt.

Können Sie die Gründe für den Einbruch erklären?
KRIEGLER: Als Lieferant für Laminatoren im Modulbereich, also im letzten Glied der PV-Wertschöpfungskette, haben uns die massiven Überkapazitäten in der Produktion im Weltmarkt als erstes getroffen, im Sinne von Rückgang von Investitionen. Im Moment gehen wir für 2012 nicht von einer Änderung der Nachfrage aus, sind aber vorsichtig optimistisch für 2013. Bei Bürkle glauben wir nach wie vor an die Zukunftschancen der Photovoltaik.

Ein Trend in der Modulfertigung geht hin zu Komplettanbietern, die eine gesamte Produktionsanlage schlüsselfertig liefern. Macht Bürkle da mit?
KRIEGLER: Diesen Trend wollen wir indirekt zusammen mit passenden Partnern bedienen. Als Generalunternehmer die komplette Modulfertigung anzubieten, macht für uns keinen Sinn. Bürkle hat sich seit Markteintritt vor vier Jahren vielmehr als Prozessspezialist etabliert. Als GU bekommt man im Jahr eine Handvoll Aufträge. Wir hingegen haben bisher über 120 Mehr- und Einetagenlaminatoren verkauft. Unser Erfahrungsschatz in der Welt des Laminierens, auch für Sonderlösungen, ist daher enorm. Und weil wir mit Materiallieferanten wie den Folienherstellern forschen und entwickeln, wachsen unser Reifegrad und Knowhow ständig. So haben wir es etwa geschafft, mit dem SL-Prozess die Laminierzeiten zu halbieren. Das ist ein echter Quantensprung in der Modulproduktion.

Wie genau funktioniert dieser Prozess?
KRIEGLER: In dem wir bei Glas-Folien-Modulen unsere Maschinen mit höheren Drücken fahren können, ist es möglich die Betriebstemperaturen zu erhöhen, was in Kombination mit weiteren Parametern die Prozesszeiten drastisch reduziert. Heutige Konzepte mit solch hohen Durchsätzen basieren auf dem Prinzip der Prozessteilung in zwei Stufen. Bei geteilten Prozessen bleibt jedoch die Frage offen, wie sich das Material beim Transport von Stufe eins nach Stufe zwei verhält, wie etwa das Schrumpfen von Folien. Diese Szenarien ergeben sich beim einstufigen SL-Prozess nicht, zudem ist die Maschine deutlich einfacher aufgebaut und kostengünstiger. Das SL-Prinzip kann aber weiterhin, wenn Kunden es wünschen, einstufig wie auch mehrstufig umgesetzt werden.

Und wieso sehen Sie sich als Prozessspezialist?
Bürkle beschäftigt sich traditionell mit dem Thema Laminieren, Pressen und Beschichten über all seine Geschäftsbereiche hinweg. Dadurch ergibt sich eine breite Knowhow-Basis, wo Erkenntnisse aus anderen Industrien positive Synergien auf unser Solargeschäft ergeben. Ein Beispiel: Hersteller von PV-Verkapselungsmaterialien kommen mit ihren Neuentwicklungen zunächst zu Bürkle ins Innovationszentrum, um Versuche zu fahren.

Mit unserer hohen Engineering-Kompetenz sind wir zudem in der Lage, auch Rand-Anwendungen im PV-Laminier-Bereich anzugehen. All dies trägt zu einem großen Prozessknowhow und innovativer Produktsubstanz bei.

Bürkle verzeichnet steigende Umsätze in China. Wie schätzen Sie den dortigen Markt ein?
KRIEGLER: Asien ist neben Nordamerika, Europa und künftig Brasilien und dem mittleren Osten ein sehr wichtiger Absatzmarkt für uns. Erstmalig haben wir einen Rekordumsatz von rund 16 Millionen Euro in 2011 in unserer lokalen Fertigung in Shanghai erwirtschaftet. Dort produzieren wir unter anderem Laminatoren, die preislich und technologisch in diesen Markt passen. Es werden hier jedoch weitere Bemühungen notwendig sein, um dem chinesischen Preis-Leistungsniveau entgegenzutreten. Wir stellen fest, dass der Automatisierungsgrad auch in China steigt, was sich positiv für unsere Maschinenkonzepte auswirkt. Parallel neben unseren Aktivitäten in China beobachten wir eine leichte Belebung im Bereich der Dünnschichttechnologie. Hier haben wir in den vergangenen Monaten Mehretagenlaminatoren der Marke Ypsator und Labormaschinen verkauft.

Wie kann Bürkle die Umsatzdelle auffangen, die die PV-Industrie hinterlässt?
KRIEGLER: Photovoltaik ist für uns ein junges Geschäftsfeld. Da Bürkle traditionell in den Segmenten Holzwerkstoff-, Plastikkarten- und Leiterplattenindustrie Umsätze erzielt, trifft uns eine Branchenkrise nicht ganz so stark wie Anlagenbauer, die fast ausschließlich in der PV-Branche unterwegs sind. Außerdem suchen wir ständig nach Nischen, in die unsere Kernkompetenzen passen. Beispiel Antireflexbeschichtung: Durch das Auftragen einer chemischen Schicht im my-Bereich auf das Solar-Glas kann sich der Wirkungsgrad der Module aufgrund verbesserter Transmission deutlich erhöhen - um bis zu drei Prozent. Unsere Beschichtungskonzepte für die Oberflächentechnologie passen genau in diese Anwendung. Das Knowhow dafür stammt aus unserem Geschäftsfeld Oberfläche, wo unsere Maschinen eine Vielzahl von Produkten etwa aus der Holz- und Automobil-Industrie mit Lacken und anderen Flüssigkeiten via Walzenauftragsmaschine beschichten.

Wo forscht Bürkle noch?
KRIEGLER: Bürkle sucht sich zukunftsfähige Felder rund um das Thema Energie. Derzeit sondieren wir, wie und wo die Herstellung der Lithium-Ionen Batterien für Elektromobilität stattfindet. Die Elektroden in den Akkus werden ebenfalls chemisch beschichtet. Unser technologisches Wissen aus der Folienbeschichtung hilft uns hier weiter. Ein weiteres neues Betätigungsfeld mit ersten nennenswerten Erfolgen sind Bearbeitungs- und Profilierungsmaschinen für Dämmstoffplatten für die Gebäudeisolierung

Zur Person
Der 44-jährige Ingenieur Andreas Kriegler stammt aus Herrenberg und leitet seit September 2011 die Business Unit Photovoltaik der Robert Bürkle GmbH. Gleichzeitig ist er neben Ralf Spindler und Hans-Joachim Bender dritter Geschäftsführer des Anlagenherstellers aus Freudenstadt.
 


23.12.2011, Bürkle GmbH

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